Reisebericht

Löwe
Löwe jung
Inder Kuh
Kühe
Tempel
Indien • Gir Forest Gujarat
märchenhaftes Indien – Land der Kontraste

Geprägt von Wüsten, Wäldern und Flüssen, von der grossen Vergangenheit mit ihren Zeugnissen, Tempeln und Palästen, Religionen und Kasten, von Maharadschas und Parias, von überquellenden heissen Städten, den kühlen Berghängen der Teeplantagen, von Farben, Gerüchen und scharfen Currys, von wüstenheissen Winden und Regenfluten des Monsun. Eine Welt in einem Kontinent, so unergründlich, vielfältig, geheimnisvoll in der man sich verliert, die man zwar bereisen, in ihrer Tiefe aber nie erfassen kann.

Naturliebhaber sind fasziniert von der unglaublichen Vielfalt der Tierarten und ihrer Lebensräume. Der Arten-, Farben- und Formenreichtum der Vogelwelt, die beeindruckenden Grosssäuger wie Elefanten und Panzernashörner, vielgestaltige Huftiere, die heiligen und unheiligen Affen, Reptilien, Fische und natürlich Tiger, Leoparden und die indischen Löwen, die im Gir Forest im Staate Gujarat eine letzte Zuflucht gefunden haben. Ihnen gilt unsere Reise.

Der asiatische Löwe (Panthera leo persica) war noch in historischer Zeit in Kleinasien, Südwestasien und Indien vom Sind bis Bengalen verbreitet. Die letzten Löwen in Mesopotamien fielen dem ersten Weltkrieg zum Opfer, im Iran wurde der letzte Löwe 1941 geschossen. Durch die starke Bejagung durch die Engländer war der asiatische Löwe in Zentralindien 1880 ausgerottet. Nur ein Dutzend Tiere überlebten im Hoheitsbereich des Nabob von Junagadh, der die Tiere als persönliches Eigentum und royal game schützte. 1930 gab es noch 20 Löwen im Wald von Gir, dem heutigen Nationalpark. Zerstörung der Futtergrundlage der Huftiere als Beute der Löwen durch die weidenden Büffel der Maldharis schien den Untergang der Löwen zu besiegeln.

1963 wurde der Gir Forest mit 260 km2 und einer 1'260 km2 Pufferzone unter Schutz gestellt, 2'000 Hirtenfamilien umgesiedelt und die Kernzone mit einer Mauer ummantelt. 1980 hatten sich Vegetation und Wildbestand bereits gut erholt. Es wurden 31 Säugerarten und 300 Vogelspezies und 240 Löwen gezählt, zuviel für das kleine Gebiet und hoch gefährdet durch eine allfällige Seuche. Hügeliges Gelände mit offenem Buschland, Teak- und Akazienwälder bestimmen die Landschaft. Obwohl die Monsunregen in manchen Jahren am Gir vorbeiziehen, führen einige Flüsse immer Wasser. Der Wald von Gir macht mit seinen grossen knorrigen Akazien mit halbverdorrtem Laub, Büschen und Bäume mit riesigen trockenen Blättern, schütterem Dornunterholz, der Boden bedeckt mit unter jedem Schritt prasselnden Blättern einen unwirklichen Eindruck.Harte metallische Schreie der Pfauen stöbern ein Rudel Axishirsche auf, die unter Rufen der Alexandersittiche über die Lichtung setzen. In Senken Wasserlöcher von vielen Tierspuren gefurcht. Im dornigen Unterholz auf Kuppen findet man immer wieder Löwen, Einzelgänger und Familien mit spielenden Jungtieren. Man wird das Gefühl von Fremdheit und Bedrohung nicht los und hält sich dicht an den Führer.

Erfrischend ist das grünumwucherte Gästehaus mit Sonne, vielen blühenden Blumen und Vogelgesang. Der Park wird betreut von der Rangerstation im ehemaligen Nabobpalast und dem Zoo von Junagadh. Als nationales Naturheiligtum gehütet, gelangen nur selten asiatische Löwen in ausgewählte Zoos der Welt um den Bestand weiter abzusichern. Wir im Zürcher Zoo sind glücklich, zu den Auserwählten zu gehören.

Eine Reise nach Indien ist auch heute noch eine Reise in eine andere Zeit und Welt, die man nicht vergisst.