Reisebericht

Island Tal
Islandpferd
Island Papageitaucher
Island Wal
Island
Insel aus Feuer und Eis

Sonne – ziehende Wolken – kühler Morgen. Fallende Kadenzen der Brachvögel begleiten mich vor dem Frühstück den Berg hinauf. Eine Fauna wie bei uns auf 1'300 m Höhe, Knabenkraut, Storchschnabel, Rentierflechte. Tautropfen wie Glasperlen auf pelzigen Frauenmantelblättern.
Ganz allein – man hört die Stille.

Zum Frühstück endlich wieder isl. Yogurth, Skyr und Sjurmjölk. Mein Waffelversuch scheitert, da ich den Teig auf das Eisen statt dazwischen leere. Pünklich alle am Bus, das ändert sich die ganze Reise nicht.

Abwechselungsreiche Gegend auf dem Weg nach Thingvellir, dem isländischen Rütli. Hügel, kleine Nadelwäldchen, buchtenreicher See, versteckte Sommerhäuser. Allmännerschlucht – Almannagjau – Ertränkungspfuhl, Pfennigschlucht, vertraute historische Stätten. Auf dem Friedhof singt unermüdlich hell und laut eine Rotdrossel auf der Spitze einer Tanne ihr Sonntagslied. Rast in der Bucht Harvik, in der zahllose Quellen, die kilometerweit unter der Lava fliessen, in den Thingvallavatn sprudeln. Ein Moment tiefer Stille und Ruhe am Seeufer.

Mittagspause im Ort Laugarvatn, dem alten Internatsschulort mit heissen Quellen und einem warmen See. Im Hotel Lindin vorzüglich gegessen in wunderschönem dänisch-weissen Ambiente – Saibling aus dem See am Ort. Der Besitzer und Koch hat in ersten Schweizer Häusern wie Palace St. Moritz gearbeitet. Nächster Halt ist Geysir, viele isländische Familien, sonst kann man in Island sehr allein sein, wenn man die Gegenden kennt. Auffallend weniger Hochland-Offroader als im Vorjahr. Gullfoss bei starkem Wind und bedecktem Himmel. Ich erzähle die Geschichte der heimatbewussten Bäuerin, die den Verkauf des Falles an ein englisches Stromkonsortium verhinderte.

Nachtquartier im Hotel Fludir, schöne Zimmer, ein erstes Bad im hot pot. Nach guter Rast treffen wir Eva Marin Hlinsdottir, eines unserer Au-Pair-Mädchen, die uns die riesigen Gewächshäuser der Tomatenkulturen zeigt. Mit heissen Quellen beheizt, mit modernster Anbautechnik – bestäubende Hummeln werden aus Holland eingeflogen. Die Produktion in Fludir und Nachbarorten deckt den Tomaten- und Gurkenbedarf Islands. Daneben gibt es Blumenhohl, Kohlrabi, Chinakohl, Möhren und Erdbeeren. Wir erfahren viel von Eva Marin über die jetzige Situation in Island, Preise, Stimmung, Aussichten, Bildungswesen und Landwirtschaft.

Helle Nacht mit Wolkentreiben, vor dem Fenster kämmt der Wind die arktischen Birken.



Samstag, 29. Juni 2013

Strahlende Sonne über dem Myvatn, tanzende Mückenschwärme im frühen Gegenlicht. Schwarz heben sich die Lavatürme aus dem Blau des Sees, umrahmt vom satten Grün der Wiesen an den kleinen Buchten, gesprenkelt mit tiefgelben Butterblumen. In der Bucht vor dem Hotel liegen hunderte von Reiherenten, fast nur die kontrastreich schwarz-weiss gefärbten Erpel, kaum Enten mit Jungen.

Die Eistaucher lassen mir keine Ruhe und nach einer Lagebesprechung mit unserem Fahrer Jon machen wir noch einen Pirschgang in Reykjahlid auf den lavaspaltenlöchrigem Pfad die vielen Buchten umrundend. Ohrentaucher, Mittelsäger, Bergenten – aber keine Eistaucher. Wir verlassen den See über die munter sprudelnde Laxa, dem besten Lachsfluss Islands mit vielen kleinen Stromschnellen mäandernd, auch ein Eldorado für Kragenenten. Nach dem Pass erreichen wir den Museumshof Grenjadastadir, sehr gut restauriert, Kirche mit Glockengebälk am Eingang, Friedhof – die Leute werden alt hier und auf vielen Grabsteinen kleine Broncevögelchen. In Husavik – meinem liebsten, isländischen, pittoresken Städtchen starten wir zur Walsafari. Am Hafen werden wir vor heute rauher See gewarnt – Beaufort 7. Wir borden die Nattfari mit einer Gruppe kleinwüchsiger Japaner, die beim Neptunstribut allesamt nicht über die Reling kommen. Wir beobachten lange zwei Buckelwale bis sie mit Fluke zeigen endgültig abtauchen.

Durchgefroren brauchen wir auf der Hafenterasse des schönen alten Restaurants Gamla Bautin einen Aufwärmer und finden hardfisk und hvidvin eine gute Kombination. Ein sehr gemütliches Abendessen im gleichen Restaurant geniessen wir mir dem weichen Abendlicht auf den Schiffen und den Schneebergen über dem Fjord.