Reisebericht

Pferde
Kamele
Jurte
Mädchen
Landschaft Reiter
Reiter
Mongolei
Land der weiten Horizonte

Böige Winde rütteln am Zelt. Die Ausrüstung bewährt sich. Bei den gekraalten Ziegen am Gegenhang bellen immer wieder tief und grollend die Hunde. Nachts aus dem Zelt zu kriechen «um nach den Pferden zu sehen» ist etwas aufwändig. Die Sterne verblassen und an den Zelten vorbei glitzert der eilige Fluss.

Tagwache 7 Uhr, erstaunlich gut geschlafen. Unsere Köchin hat schon einen dampfenden Kaffee bereit, ein Reiter bringt in grausamem Zotteltrab Stuten und Fohlen über den Fluss. Aus den Gattern am Hang fluten weissgraue Schaf-Ziegenherden zu Tal und werden wieder zu einzelnen Flöckchen, von Hunden umbellt. Vollpackung erstellen, noch etwas langsam, das wird sich schnell einspielen und im luftigen Esszelt ein wunderbares Frühstück – Spiegeleier, Flocken, frische Pancakes, Früchte, was man nur wünschen kann und das in dieser biblischen Landschaft. Die Sonne bricht über die Felskante und versieht die spielenden kleinen Falken mit Goldsäumen.

Fahrt durch eine ständig wechselnde Landschaft, Steppe mit Saxaulbüschen und Wermut, Steppenbussarde, kleine zimtfarbene Falken, Haubenlerchen. Die Wagen klettern durch schroffe Canyons. Bizarre Gesteinsformen mit weissen Kotstellen von Geiernestern, Basaltformationen, Katzengold. Auf der Passhähe 2'600 müM öffnet sich jäh der Blick in eine unendliche Weite – die Wüste Gobi B. Es wird heiss – 32 °C und Trinken ist ein Muss. Die Sonneneinstrahlung ist enorm. Nach langer, staubiger Wüstenfahrt erreichen wir die Ortschaft Bayantorroy. Eine weitläufige, im Glast liegende Siedlung mit einer grossen Solaranlage, Handyempfang. Fernsehschüsseln vor den ärmlichen Häusern, ein Schulhof mit lustigen Steintieren, natürlich auch Pferde.

Sattgrüne alte Pappeln im Hof eines interessanten, kleinen Heimatmuseums. In der Gemeinschaftshalle mit sehr guter Akustik, geben wir noch Gesangsproben. Entlang eines Galeriewaldes suchen wir die Jurten eines Kamelzüchters. Mir ist schleierhaft, wie ohne Weg, ohne GPS, die immer gut gelaunten Fahrer ihr Ziel finden.

Bei den Jurten nur eine grosse Zahl laut mökender Kamelfohlen angepflockt. Hinter hohen Grasbulten eine sattgrüne Senke mit Wasser, Limikolen und das fallende tlü tlü tlü der Brachvögel. Zwei gepflockte Pferde, eines unter dem Sattel. Das Mittagessen in der Sonne mit Reis, Huhn mit Früchten in Quark findet dankbar hungrige Abnehmer, die Stimmung ist ausgezeichnet.

In wilder offroad-Fahrt immer wieder nach Räderspuren suchend, wollen wir zum Mutterberg. In hohen Fluchten verschwindet ein grosser Hase, Sandhühner an einem Wasserloch, ein Paar Jungfernkraniche mit zwei Jungen, aber das Camp mit den Wildkamelen ist leer. Eine stille Stunde in den Dünen und Freude an kleinen Dingen, Federn, Spuren im Sand, Knochen, verdorrte Fruchtstände und eine emsige Schlupfwespe an der Arbeit zu einem Brutgang. Am Jurtenlager sind die Kamelstuten aus der Steppenweide zurück, werden gemolken und von den Fohlen leergesaugt. Einige Tiere mit auffallend spitzen Höckern sollen Kreuzungen mit Wildkamelen sein.

Nach einem guten Abendessen und Schlummertrunk erzählt Ruth von Sitten und Gebräuchen der Mongolen, Hochzeit, Tod und Begräbnis.

Wie aus Bronce stehen die hunderte von Kamele gegen den flammenden Abendhimmel.